D O S T O J E W S K I  


Dostoyevski, பியோதர் தஸ்தயெவ்ஸ்கி, ฟีโอดอร์ ดอสโตเยฟสกี, Fýodor Dostoýewskiý, Dostoyevskiy, Dostojevskii, Dostoevsky, Dostoyevskiy, Dostoyevsky, თეოდორ დოსტოევსკი, 费奥多尔•陀思妥耶夫斯基, 杜斯托也夫斯基, Dostoievski, Dostoievski, Dostoiévski, Dostoievskii, Dostoyevskî, თედორე დოსტოევსკი, フョードル・ドストエフスキー, Ντοστογιέφσκι, Duostuojėvskis, Dostojefski, ፍዮዶር ዶስቶየቭስኪ, فيودور دوستويفسكي

     
Aus A. I. Saweljews Erinnerungen
A. I. Saweljew war im Internat eine Art Erzieher, Aufseher, Offizier


1840
Im Jahre 1840 wurde Bereshetzki zum Leutnant befördert und kam in die untere Offiziersklasse, Dostojewski aber verblieb in der Konduktorenkompagnie und wurde in die höhere Klasse versetzt. Auch da schloß er sich keiner der Parteien an und blieb nach wie vor der unerschütterliche und schweigsame Jüngling, der von den Kameraden nie zu einer Beteiligung an gleichviel welch einer ›gemeinsamen Sache‹ zu bewegen war. Vielleicht hatte er unter den Kameraden auch Feinde, denen gerade das an ihm nicht gefallen mochte, daß er sich so ferne von ihnen hielt und sich immer nur seiner Phantasie hingab. Auch während dieses Jahres in der höheren Klasse sah man ihn gewöhnlich allein – entweder an seinem Tischchen sitzend, lesend oder sonst wie beschäftigt, oder man sah ihn durch die Räume schlendern, immer mit gesenktem Kopfe, die Hände auf dem Rücken."

         Дядюшкин сон, Село Степанчиково и его обитатели, Записки из мертвого дома, Униженные и оскорбленные, Скверный анекдот,  Зимние заметки о летних впечатлениях, Записки из подполья, Крокодил, Преступление и наказание, Игрок, Идиот, Вечный муж, Бесы, Дневник писателя, Бобок, Кроткая, Подросток, Сон смешного человека, Братья Карамазовы, Великий инквизитор, Пушкинская речь
               Dostojewski 1847


1841
Im Jahre 1841 stand Fjodor Michailowitsch bereits im letzten Semester. Wie früher war er nachdenklich, ja, fast kann man sagen, griesgrämig, verschlossen – so schloß er sich selten einem seiner Kameraden an, wenn er sie auch nicht gerade mied, ja ihnen sogar oft seine Nachschriften lieh, die er während der Vorlesungen machte; auch kam es häufig vor, daß er ihnen die russischen Aufsätze schrieb. Doch nie sah man ihn müßig oder lustig. Der von ihm bevorzugte Arbeitsplatz war die Fensternische des runden Schlafzimmers, der sogenannten Rotunde: es war das ein Eckzimmer, dessen Fenster aus den Fontanka-Kanal hinausgingen. Auf diesem von den anderen Tischen abgesonderten Platze konnte man F. M. Dostojewski beständig sitzen und mit irgendetwas beschäftigt sehen; manchmal nahm er offenbar nichts von alledem wahr, was um ihn herum geschah. Zu gewissen Stunden stellten sich seine Kameraden in Reih' und Glied auf, z. B. wenn sie sich zum Essen begaben, und gingen durch das runde Eckzimmer in den Speisesaal, um dann mit Lärm in den Erholungsraum zurückzuströmen, oder zum Gebet in den Saal, oder um sich in die Schlafsäle zu verteilen. Dostojewski räumte immer erst dann seine Bücher und Hefte in das Schubfach des Tischchens, wenn der Trommler, der die Abendtrommel schlug, ihn bei seinem Gang durch die Räume zur Beendigung seiner Beschäftigung nötigte. Es kam aber auch vor, daß man Dostojewski in tiefer Nacht an demselben Tischchen bei der Arbeit antraf. Er saß dann im Hemd, die Bettdecke umgenommen, und spürte offenbar gar nicht, daß es dort am Fenster entsetzlich zog. Auf meine Bemerkung, daß es doch wohl gesünder sei, früher aufzustehen und sich angekleidet mit seiner Arbeit zu beschäftigen, gab er mir freundlich recht, räumte seine Hefte weg und ging anscheinend zu Bett; doch nach einer Weile konnte man ihn schon wieder, und wieder in demselben Aufzuge, an seinem Tischchen bei der Arbeit sehen. Der Angewohnheit, in der Nacht zu arbeiten, ist Dostojewski sein Leben lang treu geblieben... Vierzig Jahre später, als wir bei einem Wiedersehen auf seine nächtlichen schriftlichen Arbeiten zu sprechen kamen – und im Besonderen darauf, daß ich ihn so manches Mal dabei gestört hatte –, sagte er mir, er habe damals tatsächlich an seinem ersten Roman ›Arme Leute‹ geschrieben, der bereits vor seinem Eintritt in die Anstalt angefangen worden sei."


Wenn ich die Wache hatte, unterhielt ich mich gern mit denjenigen unter den jungen Leuten, deren Zuneigung ich besaß. Aber ich muß gestehen, keine einzige dieser Plaudereien hat einen so tiefen Eindruck auf mich gemacht, wie meine Unterhaltungen mit Dostojewski. Er sprach immer leise, langsam, mit Pausen, und zwar tat er das aus anscheinend physischen Gründen – vielleicht infolge einer organischen Eigenart seines Brustbaues oder seiner Atmungsorgane,« (es sei hier an die plötzliche Heiserkeit erinnert, von der sein Bruder Andrei berichtet) »und keineswegs etwa deshalb, weil er sich rhetorisch schön, gewählt und überzeugend ausdrücken wollte. Auch die einfachste Erinnerung aus seiner Kindheit, wie irgendeine unwichtige geschichtliche Begebenheit wurden von ihm langsam, doch vorzüglich wiedergegeben, eben mit dieser besonderen ihm eigenen Beseelung. Ich glaube, er war sich auch selbst bewußt, welch einen Eindruck seine Erzählungen auf den Zuhörer machten, und sprach deshalb gerne von allem mit dem gleichen gefangennehmenden Zauber, – obschon nicht selten in seinen Worten eine gewisse Galle zu bemerken war, aber dafür lag in Dostojewskis Erzählungen ebenso viel Wärme wie Wahrheit.



           Schwere Zeit für Dostojewskij
             Ingenieurschloss (Michajlowskij samok) 1797-1801 für den Zaren Paul I. errichtet.



Der Ort unserer Unterhaltungen war größtenteils das sogenannte Dujour-Zimmer, dessen Fenster auf den kleinen Hof gingen: Der Dienstraum des wachthabenden Offiziers. Ich muß bemerken, daß sich damals über die Vorgeschichte des Ingenieur-Palais noch manches Interessante als mündliche Überlieferung erhalten hatte. Dieses Palais war denn auch oft der Gegenstand meiner Unterhaltung mit Dostojewski, in dessen Erinnerung sich die historische Topographie des Gebäudes, dessen Architektur ihm sehr gefiel, mit aller Deutlichkeit erhielt: so daß er wußte, wo früher der Thronsaal gewesen war, wo sich eine geheime Wendeltreppe befand, oder ein längst vermauerter Gang zu einer Tür unten am Kanal, auf dem einst an dieser Stelle ein Boot befestigt war...

Doch am häufigsten unterhielten wir uns über das Gegenwärtige, über das Leben in der Schule, den sogenannten Geist der Anstalt, das Erziehungssystem und Ähnliches. War doch dieses ausschließlich militärische System, dieses raue Verhalten der älteren Schüler zu den jüngeren, die Strenge der Vorgesetzten – bei völliger Ausschaltung eines zusammenfassenden Verfahrens in der Beurteilung der allgemeinen Werte eines Schülers – der Hauptgrund jenes geheimen Mißtrauens, ja Hasses der Schüler gegen ihre Lehrer, der jede Beziehung zwischen ihnen zerstörte. Bei Dostojewski konnten es schließlich noch andere, mir unbekannte Umstände oder Lebenserfahrungen gewesen sein, die jedes Zutrauen zu den Menschen in ihm vernichteten – all das lastete wohl schwer auf der Seele des äußerst feinfühligen Jünglings, der in den Menschen vor allem Barmherzigkeit und Rechtlichkeit suchte... Nichtsdestoweniger erinnerte er sich gerne jener Zeit in der Anstalt und jener ehemaligen Lehrer, deren Namen von allen mit Dankbarkeit genannt werden, – tat es selbst dann noch, als in seiner Stimme schon der Ton des scheidenden Menschen mitklang: in seinen Augen erschien dann plötzlich der frühere Glanz, wenn auch nur auf eine kurze Zeit."
Dostojewski; Autobiographische Schriften Kapitel 4, R. Piper & Co. Verlag 1919


D. W. Grigorowitsch in seinen Erinnerungen:
„Der literarische Einfluss Dostojewskijs beschränkte sich nicht auf mich allein; noch drei meiner Kollegen schwärmten ebenso für Dostojewski: Beketow, Wittkowski und Bereschetzki, auf diese Weise bildete sich ein kleiner Kreis, der sich in jeder freien Stunde um Dostojewski versammelte.“
F. M. Dostojewski – Briefe, Piper 1920 S. 234

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