D O S T O J E W S K I  



 
"Über dieses Bild hatte Dostojewski in den `Briefen eines russischen Reisenden" von N. M. Kramsin gelesen und wollte es unbedingt sehen. Karamsin schreibt über das Bild Holbeins:`Christus vom Kreuz abgenommen. Es gibt darin nichts Heiliges, sondern nur einen toten Mann, sehr naturalistisch dargestellt.` "
Malgorzata Swiderska; "DEr Idiot - ein moderner Christus? In: Dichter, Denker, Visionör Hrsg. Setzer, Müller, Kluge) S. 113

"Holbeins typisch gotischer Realismus steht in absolutem Gegensatz zur Wiedergabe des toten Christus in der ostkirchlichen Ikonographie."
Vgl. Periodikum "Sinn und Form - Beiträge zur Literatur"  Rütten & Loening Berlin Heft 5  S. 729
 
"Auf Dostooevskij, dem die orthodoxen Kreuzigungsdarstellungen von Kind an bekannt waren, hat das Hohlbeinsche Bild wie ein Schock gewirkt, wie eine in-Frage-Stellung seiner eigenen religiös motivierten Ästhetik des Schönnen."
Onasch, Konrad; Funktion und Motivation von "voploscenie" In: Rothe, Hans (Hrsg.); Dostoevskij und die Literatur S. 184


Dostojewskij in der Schweiz


Zu Dostojewskis Reaktionen, seine Frau in ihren Erinnerungen:
"Das Bild beeindruckte Fjodor Michailowitsch außerordentlich und er blieb wie erschlagen vor ihm stehen. (. . .) Als ich nach fünfzehn bis zwanzig Minuten zurückkehrte, fand ich Fjodor Michailowitsch immer noch wie angewurzelt vor dem stehen. Sein erregtes Gesicht zeigte jenen gleichsam erschreckten Ausdruck, den ich wiederholt in den ersten Minuten eines epileptischen Anfalls bemerkt hatte.
Ich hakte meinen Mann unter und setzte ihn auf eine Bank, jeden Augenblick eines Anfalls gegenwärtig. Zum Glück blieb er aus: Fjodor Michailowitsch beruhigte sich etwas, und als wir das Museum verließen, bestand er darauf, noch einmal das Bild, das ihn so überwältigt hatte, zu betrachten."
Dostojewskaja Erinnerungen, Rütten & Loening
 
Und in ihrem Tagebuch:
"Der Tod Christus, ein wunderschönes Bild, das mir aber geradezu Grauen einflößte und Fedja so erschütterte, daß er ausrief, Holbein sei ein bedeutender Maler und Dichter. (. . .) Fedja war begeistert, er wollte es von nahem betrachten, stieg dazu auf einen Stuhl."
Dostojewskaja; Tagebücher, Athenäum
 
 
"Im Idioten hat er die genaue Beschreibung des Holbeinschen Christus gegeben: `Das Bild stellt Christus dar, den man soeben vom Kreuz genommen hat . . .  Gewöhnlich malen die Künstler das Gesicht  auch nach der Kreuzabnahme außerordentlich schön. Sie sind bestrebt, diese Schönheit auch noch nach allen ausgestandenen Qualen festzuhalten. In diesem Bild aber ist keine Spur von Schönheit. Es ist in jeder Einzelheit der Leichnam eines Menschen, der endlose Qualen durchlitten hat . . . Sein Gesicht trägt noch Spuren von Wärme und Leben.`"
Maurina, Zenta; Dostojewskij  S. 277


Im Idioten hängt eine Kopie im Haus des Vaters von Rogoschin. Ebenso wird es von Ippolit ausführlich beschrieben.


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