D O S T O J E W S K I  



 
"Ich habe mich gesundheitlich niemals wohler gefühlt als in diesem scheußlichen Ems."
Dostojewski 1875 in einem Brief an seine Frau


Die Reisen nach Bad Ems waren für Dostojewski keine Vergnügungsreisen. Er wollte seiner Gesundheit Gutes tun. Den Quellen wurde, neben vielen Dingen, auch heilende Kräfte gegen Fallsucht (Epilepsie) und Lungenleiden nachgesagt.

So Dostojewski in einem Brief Juni 1875:
„Und natürlich – das sehe ich jetzt ganz klar – wäre ich, wenn ich im vergangenen Sommer nicht in Bad Ems gewesen wäre, sicher im vergangenen Winter gestorben.“
 
 
       Dostojewskijs Kuren in Bad Ems
        Die inzwischen geschlossene Bahnhofshalle von Bad Ems. Dostojewski kannte sie gut.  
        Autor: A. Marèchal
      
 
Exemplarisch einige Ausschnitte von Briefen an seine Frau aus dem Jahre 1874. Er ist unentwegt unzufrieden, griesgrämig und verbittert. In den Briefen seiner Folgeaufenthalte bleibt dieser Tenor unvermindert bestehen.
 
Dostojewski am 24. Juni 1874 aus Bad Ems in einem Brief an seine Frau:
„Die Geschäfte sind erbärmlich. Ich wollte mir einen Hut kaufen, fand aber nur einen kleinen Laden, in dem es Ware gab wie bei uns auf dem Trödelmarkt. Und all das wird mit Stolz ausgestellt, die Preise sind überhöht, die Kaufleute aber würdigen einen kaum eines Blickes.“
 
Dostojewski am 28. Juni 1874 aus Bad Ems in einem Brief an seine Frau:
„Sie haben eine schreckliche Aussprache und stellen sich beim Hören stockdumm an. Ein Deutscher sagte mir unterwegs upa upa. Was ist das, upa? Fragte ich ihn, und schließlich stellte sich heraus, dass upa Oper heißen soll. (. . .) Den Garten und den Park kenne ich schon kreuz und quer, und woanders hingehen kann man nicht. Und vor allem sind hier ewig Massen von Menschen.“
 
 
       Dostojewskij in Deutschland
         Kolonnaden in Bad Ems.                      Autor: D. Schaefer
 

„Der Anblick all dieser Menschen ist unerträglich. Ich bin schon so gereizt, dass ich besonders morgens jeden einzelnen, in dieser bunt gemischten Schar als meinen Feind betrachte – ja ich wäre in meiner Seel sogar froh, wenn es einen ordentlichen Krawall gäbe.“       
 
Dostojewski am 10. Juli 1874 aus Bad Ems in einem Brief an seine Frau:
„Die Langeweile plagt, zermürbt mich, in diesem elenden Nest. Was für ein Publikum was für Visagen! Was für hundsgemeine Deutsche! (. . .) Kann man hier also etwas bestellen? In ganz Ems gibt es nur zwei Schneider, was ist da zu machen (. . .)  Ein schweinischer, gemeiner Ort, einen gemeineren findet man nicht auf der Welt!“
 
Dostojewski am 17. Juli 1874 aus Bad Ems in einem Brief an seine Frau:
„Die Deutschen und das ganze Publikum sind unerträglich.“
 
Dostojewski am 21. Juli 1874 aus Bad Ems in einem Brief an seine Frau:
„Ich bin manchmal so gereizt, dass ich, obwohl ich mir vornehme fest zu schweigen, mitunter nicht an mich halten kann. Das Gedränge um Kränchen, wo der Brunnen in die Gläser eingeschenkt wird, ist schrecklich. (. . .) Und überhaupt gelte ich unter gewissen deutschen Kurgästen als der gallige Russe.“
 
      
          Kursaal in Bad Ems              Quelle: Commons / User Warburg
 
 
 
16. Juni August 1875 Bad Ems, Dostojewski in einem Brief an seine Frau:
"Volk gibt es hier sehr viel, die Kurliste weist schon 5000 Namen auf. Unwahrscheinlich hochnäsige, affektierte, dreiste und grobe Visagen. Keinerlei Zerstreuungen, nirgends kann man spazieren gehen (alles ist ekelhaft)."
 


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