D O S T O J E W S K I  



 
"Warum bin ich in Dresden, gerade in Dresden, und nicht irgendwo an einem anderen Ort."
In Dresden war Dostojewski länger als an jedem anderen Ort in Deutschland; fast zweieinhalb Jahre.


„War Sibirien das Purgatorium, der Vorhof des Leidens, so ist Frankreich, Deutschland und Italien sicherlich die Hölle. Kaum wagt man sich diese tragische Existenz zu vergegenwärtigen. (. . .)
Keiner hat ihn gekannt in all den Jahren. Eine Stunde von Dresden entfernt in Naumburg wohnt Friedrich Nietzsche, der einzige, der ihn verstehen könnte, Richard Wagner, Hebbel, Flaubert, Gottfried Keller, die Zeitgenossen sind da, aber er weiß von ihnen nichts und sie nicht von ihm.“
Zweig, Stefan; Drei Meister
 
"In Dresden aber bin ich selbst an den deutschen Frauen schuldig geworden: Kaum war ich auf die Straße getreten, da schien mir es plötzlich als gäbe es nichts Widerwärtigeres als den Typ der Dresdener Frauen."
Winteraufzeichnungen über Sommereindrücke 1863
 

"Dostojewski nimmt zwar an vielen Unternehmungen teil, es wird aber doch deutlich, dass ihn das meiste nicht sonderlich interessiert, dass er mit seinen Gedanken vielmehr in Russland ist. Er liest fast nur russische Zeitungen und Zeitschriften."
Hielscher; Dostojewski in Deutschland
 

Eine Ausnahme hingegen bildete die Dresdner Nationalgalerie. Diese besuchte er mehrfach und bewunderte dort Raffaels Sixtinische Madonna.
 
"Schon nach drei Wochen in Dresden hatte ihn wieder die Spielleidenschaft gepackt, und er reiste im Mai 1867 allein nach Homburg, um sein Glück zu versuchen. Anna Grigorjewna, die ihren Mann zwar schrecklich vermisste und um ihn litt, unternahm gerade in diesen Tagen allein oder mit Madame Zimmermann schöne Ausflüge in die sächsische Schweiz oder nach Schloß Pillnitz."
Hielscher; Dostojewski in Deutschland  S. 155
 
 
            
              Dostojewski-Denkmal in Dresden            Quelle: Commons
 
 
Oktober 1869
"Wie kann ich arbeiten, wenn ich hungrig bin und sogar meine Hose versetzen muß, um mir die zwei Taler für das Telegramm zu verschaffen? Hole mich der Teufel und meinen Hunger! Aber sie, meine Frau, die jetzt ihr Kind stillt, mußte selbst ins Leihhaus gehen und ihren letzten warmen wollenen Rock versetzen!"
Briefe; Piper
 
Dezember 1869 - Dostojewski in einem Brief an S. Iwanowna:
"Ich sage Ihnen etwas über unser Leben: es ist ein langweiliges Leben; im Schlafzimmer die Sorgen um Ljuba und die alltäglichen Kümmernisse, und bei mir gibt es bis jetzt nur das eine – die Arbeit. Dresden ist sowieso sehr langweilig. Diese Deutschen sind mir unerträglich. Gut ist, dass ich keine Anfälle habe. (. . .) Ich stehe mittags um eins auf, weil ich nachts arbeite und ohnedies nicht schlafen kann. Von drei bis fünf arbeite ich. Ich gehe eine halbe Stunde spazieren und immer auf die Post, und von der Post komme ich in den königlichen Garten nach Hause zurück – immer ein und denselben Weg."

        
           Dresdner Wohnhaus Dostojewskis im Sommer 1870
           Hier schreibt er "Die Dämonen".  


"Zu Hause essen wir Mittag. Um sieben Uhr gehe ich wiederum spazieren und wieder durch den königlichen Garten nach Hause. Zu Hause trinke ich Tee und um halb Elf, setze ich mich an die Arbeit. Ich arbeite bis 5 Uhr morgens. Dann lege ich mich hin, und so wie es sechs Uhr schlägt, schlafe ich sofort ein. Das also ist mein ganzes Leben. Beim Abendspaziergang gehe ich in den Lesesaal, wo man russische Zeitungen bekommt. (. . .) Im kommenden Jahr kehre ich unbedingt zurück. Ich kann das Ausland nicht länger ertragen.“
Briefe, Piper

 
Mai 1870
"Auch ich sehne mich entsetzlich nach Rußland zurück, und aus dieser Sehnsucht kommen meine ständigen Aufregungen und Sorgen. Meine Verhältnisse sind in denkbar schlechtem Zustand. Wir haben zwar gerade so viel, daß wir noch leben, doch an die Rückkehr nach Rußland dürfen wir garnicht denken."
Ebenda

August 1870
"Das Wichtigste ist, daß ich jetzt nach Rußland zurückkehren muß. Dieser Gedanke ist ja einfach, ich kann Ihnen aber gar nicht mit allen Einzelheiten all die Qualen und Nachteile schildern, die ich im Auslande erdulden muss."
Ebenda
 
Oktober 1870
"Ich lebe irgendwie, versuche zu arbeiten, verspäte mich überall, überall habe ich meine Zusagen versäumt und deshalb leide ich. Auch Anna Gregorjewna leidet, sodaß ich mir nicht zu helfen weiß. Im Frühjahr müßten wir zurückkehren, aber wir haben immer noch kein Geld."

"Meine Hoffnung, im Herbst nach Petersburg zurückzukehren, hat sich nicht erfüllt; ich muß es bis zum Frühling aufschieben und noch einen Winter in qualvoller Öde in Dresden verbringen."
Ebenda
 
 
Januar 1871 - Dostojewski in einem Brief an S. Iwanowna:
"Was soll ich schreiben über die Einzelheiten unseres hiesigen Lebens? Wir leben langweilig wie im Kloster, keinerlei Ablenkungen, und solche gibt`s hier auch nicht. Die Theater sind niedrig und gemein und überall diese Hymnen auf das deutsche Vaterland. (. . .)
Wie sehr wir uns auch bemüht haben, Bekanntschaften mit den hiesigen Russen, von denen es hier eine Menge gibt, auszuweichen, konnten wir uns doch nicht ganz entziehen."
Briefe, Piper
 

"Begegnungen der Rußlandfreundlichen Stenographen mit Fjodor Dostojewski auf geplanten Ausflügen nach Blasewitz und Tharandt kamen nicht zustande, weil der Schriftsteller keine Kontakte wollte."
Hexelschneider, Erhard; Anna Dostojewskaja, Pawel Olchin und Julius Woldemar Zeibig

 
      
           Hofkirche in Dresden 1850


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